A. Einsiedel

Das Manifest der Raumfahrt-Christen

 

Inhalt:

1. Christen und Raumfahrt – wie paßt das zusammen?

2. Warum jetzt schon diese Thematik?

3. Die Auferstehung der Toten

4. Errettung und Verdammnis

5. Über das Jenseits

6. Literaturverzeichnis

 

1. Christen und Raumfahrt – wie paßt das zusammen?

Die Aussagen der Bibel über das Ende der Welt

In der Bibel steht folgendes über das Jüngste Gericht:

„Denn siehe, der Herr kommt im Feuer, und wie der Sturmwind sind seine Wagen, um seinen Zorn auszulassen in Glut und sein Drohen in Feuerflammen. Denn mit Feuer hält der Herr Gericht [...]“ (Jes 66,15f);

„Seine Worfschaufel ist in seiner Hand, seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“ (Lk 3,17);

„Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr (im Gericht) erfunden werden.“ (2 Petr 3,10);

„Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offb 20,15)

Gott wird also die Erde mit Feuer richten.                                                                     
 

Die Aussagen der Naturwissenschaft über das Ende der Welt

Wenn man davon ausgeht, daß „Gott macht, daß die Dinge sich selber machen“ (Teilhard de Chardin), hat die moderne Naturwissenschaft eine erstaunliche Voraussage über dieses Feuer des Gerichts vorzuweisen:

„[...] was wird [...] geschehen, wenn der Sonne der nukleare Brennstoff ausgeht?

Wenn der Wasserstoff fast aufgebraucht ist, wird es dem Brennmechanismus der Sonne nicht mehr gelingen, das Gewicht der äußeren Schichten auszuhalten. Das frühere Gleichgewicht zwischen der Schwerkraft, die zur Mitte stürzen will, und der Heftigkeit der nuklearen Reaktionen, die das Gas nach außen drängen wollen, wird zerstört, und die Sonne wird aus ihrer lange andauernden Hauptsequenz ausbrechen.

Das Gewicht der äußeren Schichten wird zum Mittelpunkt hindrängen und die Temperatur noch mehr ansteigen lassen. Der übriggebliebene Wasserstoff wird noch schneller verbrennen und die Explosionskraft der Fusion wird, wenn auch nur für kurze Zeit, über die Schwerkraft siegen. Die Sonne wird sich ausdehnen, und ihre äußeren Schichten werden Merkur, Venus, die Erde und sogar Mars verschlingen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Sonne ein ‚roter Riese’ geworden sein.

Aber noch lange vor dieser überraschenden Entwicklung der Sonne wird das Leben auf der Erde verschwinden. Der Anstieg des Sonnenlichts, der der Endphase vorausgeht, wird die Gletscher schmelzen lassen und die Ozeane erhitzen. [...]

Auf der Erde wird der Wasserdampf, der von den erhitzten Ozeanen aufgestiegen ist, eine Schicht von dichten und undurchdringlichen Wolken bilden. Aber wenn dann auch die Sonne als roter Gigant auf die Erde fällt, wird sich auch die Atmosphäre in ihre Teile aufgelöst haben, die in den Raum entwichen sind.

Unser ehemals blauer Planet wird zu einem brennenden, rotglühenden Himmelskörper geworden sein, während sich die Felsen langsam auflösen und die Kontinente langsam in die Becken gleiten, die früher die Ozeane aufgenommen hatten.“ (Lorenzo Pinna 1994)

Neuere Modellrechnungen von 2001 (Schröder et al.) besagen, daß die Sonne aufgrund ihres Masseverlustes durch Sonnenwind Erde und Mars nicht verschlucken wird, unter anderem deshalb, weil deren Planetenbahnen durch die verringerte Anziehungskraft der Sonne größer werden. Dennoch soll dann der geringste Abstand der Erde zur Sonne nur fast zehn Prozent des Bahnradius betragen, und es sollen auf der Erde Temperaturen von bis zu 1600 °C herrschen, welche Gestein schmelzen lassen und jedes Leben unmöglich machen.

Gottes endzeitliches Gericht über die Erde mit Feuer läßt sich also auch naturwissenschaftlich erfassen.                                                                                        
 

Raumfahrt als Konsequenz

Welche Konsequenz ergibt sich aus diesen Erkenntnissen? Auch hierauf gibt die Bibel Antwort:

„Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen [d. h. Christus]: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte. Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um. Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird.“ (Lk 17,26-30; vgl. auch Mt 24,37-39)

Mit anderen Worten gesagt: Lot verließ der Legende nach seinen Wohnort Sodom, bevor Sodom vernichtet wurde – die Christen müssen ihren Wohnort Erde verlassen, bevor die Erde so, wie wir sie kennen, vernichtet wird. Noah baute der Legende nach im Auftrag Gottes eine Arche, mit der er seine Familie, sich und die gefährdete Tierwelt vor der Sintflut retten konnte – die Christen ihrerseits müssen im Auftrag Gottes Archen bauen, mit denen sie sich und die gefährdete Tier- und Pflanzenwelt vor der bevorstehenden Feuersflut retten können. Was für Archen sollten das angesichts der Art der bevorstehenden globalen Katastrophe anders sein als „Archen auf dem Sternenmeer“ – Raumschiffe, eine neue Erde bildend oder auf dem Weg zu einer neuen Erde. Und so heißt es auch in der Bibel:

„Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken und es wird nicht mehr in den Sinn kommen.“ (Jes 65,17);

„Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ (2 Petr 3,13);

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“ (Offb 21,1)

Als weiterführende Konsequenz für das Reich Gottes im Weltall läßt sich nicht nur eine Beschränkung auf eine neue Erde denken, sondern auch die weitere Erschließung und Besiedelung des Weltalls.

Damit wäre der Zusammenhang zwischen Raumfahrt und Christentum aufgezeigt.

Es stellt sich nun die grundsätzliche Frage, wie Raumschiffe auf ihren Reisen zwischen den Sternen eigentlich angetrieben werden sollen. Hierzu bietet sich ein Konzept des Physikers Robert Forward an. Danach sollen Raumschiffe mit Lichtsegeln aus hochreflektierendem Material durch den Lichtdruck eines enggebündelten Laserstrahls angetrieben werden, welcher letzterer Millionen von Kilometern zurücklegt, ohne sich wesentlich zu verbreitern. Solch ein Strahl kann von einer großen Zahl sonnen- bzw. sternbetriebener Laser im Weltraum erzeugt werden, deren einzelne Strahlen von einem riesigen, vorzugsweise aus Kunststoff bestehenden Linsensystem kombiniert und gebündelt werden (Mackowiak 1996).

 

2. Warum jetzt schon diese Thematik?

Der ungefähre Zeitpunkt des Weltendes

Die Angaben über die Zeitspanne bis zur Entwicklung der Sonne zum Roten Riesen schwanken je nach Quelle zwischen 4,5 Milliarden und 7,6 Milliarden Jahren.

Die Intensität des Sonnenlichtes nimmt jedoch auch vorher schon ständig zu. Weil bei den Kernreaktionen in der Sonne netto jeweils vier Wasserstoffatome zu einem Heliumatom umgesetzt werden, nimmt die Zahl der Teilchen im Kern der Sonne allmählich ab mit der Folge, daß der Kern stetig kleiner wird, was wiederum zur Folge hat, daß Druck und Temperatur im Inneren der Sonne ansteigen, wodurch die solaren Außenschichten ein wenig anschwellen und die Oberflächenhelligkeit zunimmt (Schilling 2007). Deshalb erwartet man, daß es schon in mehreren hundert Millionen Jahren zu einem „galoppierenden Treibhauseffekt“ kommen wird, welcher auf der Erde eine lebensfeindliche Hölle wie auf dem Planeten Venus entstehen läßt (Kayser 1998).

Angesichts des trotzdem noch gewaltigen Zeitraums stellt sich die Frage, welchen Sinn es hat, den Bezug zwischen Raumfahrt und Christentum schon jetzt ins Gespräch zu bringen.                                                                                             
 

Die Kostenfrage

Als erstes wäre festzustellen, daß die raumfahrtbezogene Forschung sowie die Entwicklung und der Einsatz von Raumfahrttechnik eine kostenaufwendige Angelegenheit darstellen. Schon heutige Raumfahrtaktivitäten verschlingen Milliardenbeträge. Allein die Internationale Raumstation ISS schlägt insgesamt mit geschätzt 100 Milliarden Euro zu Buche (Deutsche Presse-Agentur 2009). Jedoch die Kosten für eine Erschließung und Besiedlung unseres Sonnensystems als Voraussetzung für den Sprung zu anderen Sternensystemen sind kaum vorstellbar. Sie können nur aus dem wirtschaftlichen Ertrag eines sehr langen Zeitraums gedeckt werden.

Doch der raumfahrt-christliche Gedanke setzt keine Grenzen. Es geht darum, die verbleibenden Erdenjahre so zu nutzen, daß möglichst viel Menschen, Tier- und Pflanzenarten, Boden, Technik, Rohstoffe sowie Kulturgüter von der Erde gerettet werden können, und es geht darum, möglichst weit und nachhaltig ins Weltall vorzustoßen. Für die umfassende Durchführung dieser beiden Aufgaben ist auch ein noch so großer zur Verfügung gestellter Anteil vom wirtschaftlichen Ertrag aus vermutlich mehreren hundert Millionen Jahren ein eng begrenzter Etat. Zudem wird ein sich ausschließlich im Weltraum abspielendes Leben nach dieser Frist äußerst aufwendig und teuer sein, so daß dann mit einer Mittelknappheit gerechnet werden muß, ehe nicht ein der Erde vergleichbarer Planet gefunden worden ist.

Also gilt es schon allein wegen der Kostenfrage, die verbleibende Zeit auf der Erde so intensiv wie möglich für die Vorbereitung sowie Durchführung der Erschließung und Besiedlung des Weltalls zu nutzen.

Des weiteren wäre folgendes festzustellen: Die heutige Industrie- und Informationsgesellschaft beruht auf dem fortschreitenden Abbau und Verbrauch von Rohstoffen wie Kohle, Erdöl, Erdgas, Kernbrennstoff und Metallerzen. In absehbarer Zeit werden die meisten von ihnen verbraucht worden sein, nachdem die Förderung immer teurer geworden ist, weil die rentabelsten Vorkommen zuerst abgebaut wurden. Der letztendliche Wechsel zu anderen Formen der Energiegewinnung und ein möglicher Abbau von Rohstoffen außerhalb der Erde werden mit noch höheren Kosten verbunden sein. Da für die fortschreitende Erschließung und Besiedlung des Weltalls mit einem hohen, praktisch nie endenden Bedarf an Energie und Rohstoffen gerechnet werden muß, ist es deshalb ebenfalls aus Kostengründen sinnvoll, so zeitig wie möglich massiv an diese Aufgabe heranzugehen.                                
 

Andere mögliche globale Naturkatastrophen

Als zweites wäre anzumerken, daß das Leben der Menschen auf der Erde noch durch andere Naturkatastrophen bedroht ist. Jederzeit besteht die Gefahr, daß die Menschheit durch den Einschlag eines großen Asteroiden oder Kometen ausgelöscht wird, wie es vermutlich mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren geschah. Auch Ausbrüche von Supervulkanen könnten die gesamte Menschheit vernichten. Solch ein Schicksal würde jede menschliche Anstrengung im Nachhinein sinnlos machen. Um ihm zu entgehen, wäre es vorteilhaft, wenn es möglichst bald eigenständige menschliche Siedlungen im Weltall gäbe, wenn auch nur innerhalb unseres Sonnensystems.

Durch die Entwicklung entsprechender Technik ließen sich vielleicht auch irgendwann alle gefährlichen Asteroiden und Kometen erfassen und im Ernstfall von ihrer Bahn ablenken; gegenüber Supervulkanausbrüchen wäre der Mensch aber wohl weiterhin machtlos.

Anzumerken wäre auch noch, daß es zu Katastrophen kommen kann, die einen viel größeren Bereich des Weltalls betreffen. So könnte zum Beispiel unser Sonnensystem in einer fernen Zukunft durch die Bewegung innerhalb unserer Galaxis in die lebensgefährliche Nähe einer Supernova geraten. Hierbei wäre ein Überleben wohl nur durch das rechtzeitige Verlassen des Sonnensystems und des übrigen Gefahrenbereiches möglich.                               
 

Bekenntnis und Aufgaben der Raumfahrt-Christen

In Zusammenfassung der obengenannten Fakten läßt sich folgendes ergänzendes Glaubensbekenntnis der Raumfahrt-Christen formulieren:

Ich glaube/Wir glauben an Gottes Jüngstes Gericht über die Erde mit dem Feuer der Sonne, sein Reich im Weltall, dem Himmel, an dessen Errichtung von den Auserwählten Christi durch die Kraft des Heiligen Geistes und an meine/unsere eigene Berufung zu diesem Dienst durch Gott.

Was sollen Raumfahrt-Christen nun tun? Für die nähere Zukunft haben sie nur drei über das bisherige Christsein hinausgehende Aufgaben: neue Raumfahrt-Christen zu gewinnen, sich zu organisieren und für eine umfassende Verbreitung des raumfahrt-christlichen Gedankengutes Sorge zu tragen. Ansonsten sollen sie nach Möglichkeit in ihren angestammten christlichen Gemeinden verbleiben, denn die Besiedlung des Weltalls kann nicht von einer kleinen Sekte, sondern nur von einer breiten ökumenischen Bewegung vorangetrieben werden.

 

3. Die Auferstehung der Toten

Die Taten des Menschen als seine Seele

Die Auferstehung der Toten ist ein zentraler christlicher Glaubensinhalt. Dieser soll nun hier aus raumfahrt-christlicher Sicht erklärt werden. Zunächst zum Begriff der Seele: Geht man davon aus, daß der Mensch aus Leib und Seele besteht, und führt man sich dann den lebenden Menschen im Gegensatz zum gerade Verstorbenen vor Augen, so wird klar, daß die Seele den Unterschied, die Differenz zwischen lebendem und totem Menschen darstellt. Doch was macht diese Differenz aus? Offensichtlich sind es sämtliche Bewegungen des Körpers, der Körperteile, der Zellen und der Zellbestandteile, die in ihrem komplexen Zusammenspiel – das Denken und somit den Geist mit eingeschlossen – letztendlich als Taten und Handlungsweisen in Erscheinung treten. Die allgemeinen Körperfunktionen sind dabei als unverzichtbare Grundlage der Taten und Handlungsweisen aufzufassen. So läßt sich als völlig neue Erkenntnis formulieren: Die Taten des Menschen sind seine Seele. Da die Taten, die ihrem Wesen nach immer noch Bewegungen sind, in jedem Falle die Umwelt des Menschen verändern, und zwar in Form von Bewegungen von Teilen dieser Umwelt, kann man davon sprechen, daß die Seele zeitlebens aus dem Menschen herausfließt und sich in Veränderungen der Umwelt manifestiert. Die Seele verläßt den Menschen also nicht bei seinem Tode, sondern zeitlebens bis zu seinem Tode. Diese Zusammenhänge finden in der Kerze ein Gleichnis. Solange die Kerze brennt, leuchtet sie, das Licht entspricht der Seele. Wenn die Kerze verlischt, leuchtet sie nicht mehr, das entspricht dem Tod. Das Leuchten scheint eine der Kerze anhaftende Eigenschaft zu sein, welche die Kerze erst beim Verlöschen verliert. In Wirklichkeit erreicht aber nur das Licht die Augen, das die Kerze bereits beim Brennen verlassen hat. Ebenso verhält es sich mit der Seele: Sie scheint eine dem lebenden Körper anhaftende Wesenheit zu sein; in Wirklichkeit fließt sie jedoch zeitlebens als umweltverändernde Bewegung aus dem Körper heraus.

Die Taten, die des Menschen Seele ausmachen, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: konstruktive und destruktive Handlungen. Taten, die einem rechten Glauben entspringen und damit dem Wohlergehen der Menschen dienen, sind konstruktiv (aufbauend); Taten, die dem Unglauben entspringen und damit nicht dem Wohlergehen der Menschen dienen, sind destruktiv (zerstörend). So sind konstruktive Taten Handlungen, die sich nach dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe und somit auch nach den Zehn Geboten richten, insbesondere sind es auch sorgfältige und fleißige Arbeitstätigkeit sowie gute Erziehung von Kindern; destruktive Taten sind Handlungen, die gegen die Zehn Gebote und das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe verstoßen, insbesondere sind es auch unsorgfältige und unfleißige Arbeitstätigkeit sowie schlechte Erziehung von Kindern. Destruktive Taten können nicht nur aktiv, sondern auch passiv erfolgen, d. h. durch Unterlassen anstehender konstruktiver Taten. Seit dem Himmelfahrtstag des Jahres 2000, seit dem das Raumfahrt-Christentum existiert, sind auch Taten, die der Besiedlung des Weltalls dienen, konstruktiv und Handlungen, die der Besiedlung des Weltalls schaden, destruktiv. Es muß jedoch angemerkt werden, daß alle konstruktiven Taten, die nicht direkt der Besiedlung des Weltalls dienen, es doch indirekt tun, weil sie in ihrer Gesamtheit zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation beitragen, und nur eine hochentwickelte Zivilisation kann die Besiedlung des Weltalls voranbringen. Dementsprechend schaden auch alle destruktiven Taten, ob direkt oder indirekt, der Besiedlung des Weltalls. Besteht eine Tat aus einem konstruktiven und einem destruktiven Anteil, so gehört sie zu derjenigen Gruppe, deren Anteil überwiegt, d. h. überwiegt die konstruktive Seite einer Tat gegenüber der destruktiven Seite, so muß die Tat den konstruktiven Taten zugerechnet werden, und überwiegt die destruktive Seite gegenüber der konstruktiven Seite der Tat, so muß diese Tat den destruktiven Taten zugerechnet werden.

Was geschieht nun mit den Teilstücken der menschlichen Seele, die in den Taten und ihren Ergebnissen zum Vorschein kommen? Sobald diese Taten und ihre Ergebnisse von einem Menschen genutzt werden oder auf ihn einwirken und dieser Mensch dabei oder danach eigene Taten vollbringt oder begeht, fließen diese Seelenteile weiter. So geben konstruktive Taten und ihre Ergebnisse dem sie Nutzenden Freiraum für eigene konstruktive Aktivitäten. Die Seelenteile, die in den genutzten Taten leben, gewinnen so Anteil an der Manifestation der Seele des diese Taten Nutzenden und fließen somit weiter. Jedoch kann der genannte Freiraum auch für destruktive Taten mißbraucht werden. Diese reißen in den Fluß der konstruktiven Seelenteile eine Lücke. Wenn diese Lücke wieder mit konstruktiven Taten ausgeglichen wird, fehlen solche an einer anderen Stelle, so daß sich die Lücke immer weiter fortsetzt. So führen die destruktiven Taten dazu, daß im Endeffekt weniger gerettet werden wird, als gerettet hätte werden können. In dem, was deshalb nicht gerettet werden kann, werden diese destruktiv wirksam gewordenen Seelenteile weiterleben.
 

Die Menschheit als Lebewesen

Es wurde festgestellt, daß die Seelen der Menschen in viele Teilstücke zerteilt über die Taten immer weiter fließen. Doch wie sollen diese Teilstücke bei einer Auferstehung der Toten wieder zusammenfinden? Im Rahmen der Naturgesetze gibt es hierfür nur eine Lösung: Alle aus- und weiterfließenden Seelen der Menschheit bilden eine Gesamtseele. Von Gott zu erwarten, daß er die Auferstehung der Toten durch ein Wunder bewirkt, welches die Naturgesetze durchbricht, wenn es eine andere Möglichkeit innerhalb der Naturgesetze gibt, hieße, Gott zu versuchen, was die Christen laut der Bibel nicht tun sollen (5 Mo 6,16; Mt 4,5-7; Lk 4,9-12). Deshalb im folgenden Näheres über diese eine Möglichkeit im Rahmen der Naturgesetze.

Die eingangs erwähnte Gesamtseele hätte alle in der menschlichen Gesellschaft lebenden Personen und alle vom Menschen gemachten Dinge zum Körper. Die Menschheit müßte demnach ein Lebewesen im biologischen Sinne sein. Und tatsächlich weist die heutige Menschheit, als Ganzes betrachtet, etliche Merkmale von Leben auf. Die klassischen Lebensmerkmale sind: eine bestimmte stoffliche Zusammensetzung des Körpers, Bewegung, Reizaufnahme und -beantwortung, Ernährung, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung, Vermehrung, Vererbung und Evolution (Strasburger et al. 1991). Als übergeordnetes Lebenskriterium gilt die Fortpflanzungsfähigkeit, weil alle übrigen Merkmale entweder Voraussetzung oder Folge dieser zentralen Eigenschaft sind. Schauen wir uns nun diese Merkmale im Zusammenhang mit dem fiktionalen Lebewesen Menschheit an. Da dessen Körper neben sämtlichen vom Menschen hergestellten Erzeugnissen aus allen lebenden Menschen besteht, wird auch seine stoffliche Zusammensetzung von den Stoffen dominiert, aus denen auch andere Organismen vor allem bestehen: Proteine, Nucleinsäuren, Polysaccharide, Lipide und weitere organische Moleküle und Ionen. Unter den vom Menschen hergestellten Erzeugnissen weisen Nahrungsmittel und Dinge, die ebenfalls aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen gemacht worden sind, auch diese stoffliche Zusammensetzung auf. Sowohl die Grundbausteine des fiktionalen Lebewesens Menschheit, die Menschen, als auch das vom Menschen hergestellte Erzeugnis Maschine – darunter eine Vielzahl von Transportmitteln – weisen das Merkmal Bewegung auf. Innerhalb der menschlichen Gesellschaft sind nicht nur die einzelnen Personen zur Reizaufnahme und -beantwortung befähigt, sondern ganze Personengruppen können arbeitsteilig Umweltsignale direkt oder über Apparate und technische Sensoren aufnehmen und direkt oder mittels Werkzeugen und Maschinen darauf reagieren. In der menschlichen Gesellschaft findet nicht nur eine organisierte Ernährung der Menschen zwecks Energie- und Strukturbausteinzufuhr statt, sondern das fiktionale Lebewesen Menschheit führt sich auch eine Vielzahl mineralischer und organischer Rohstoffe zu, um Produkte zu erzeugen und für diese Produkte benötigte Energie bereitzustellen. Sowohl der einzelne Mensch als Grundeinheit als auch die Menschheit als Ganzes mit allen vom Menschen gemachten Erzeugnissen weisen Wachstum und Entwicklung auf. Nicht aufzuweisen hat die heutige Menschheit als Ganzes das zentrale Lebensmerkmal Fortpflanzung und die durch diese bedingten Eigenschaften Vermehrung, Vererbung und Evolution. Fortpflanzen würde sich das fiktionale Lebewesen Menschheit, wenn im Weltall eigenständige „Tochtermenschheiten“ entstünden. Von Vermehrung könnte man sprechen, wenn mehr „Tochtermenschheiten“ als „Elternmenschheiten“ entstehen würden und somit ein Fortbestand der Menschheit auch bei Fortpflanzungsausfällen gesichert wäre. Als Vererbung könnte man bei der Fortpflanzung der Menschheit nicht nur die Weitergabe der genetischen Information des Menschen betrachten, sondern auch die Weitergabe des technischen und wissenschaftlichen Wissens, der Sprache und der Kultur. Demzufolge wäre eine Evolution der Menschheit nicht nur eine Veränderung der Erbinformation, des damit verbundenen Erscheinungsbildes und der damit verbundenen Verhaltensweisen des heutigen Menschen durch natürliche Selektion, so es dazu überhaupt noch kommt, sondern Evolution der Menschheit wäre auch eine Veränderung von Wissen, Kultur und Sprache der Menschheit einschließlich ihrer Erscheinungsform und ihres Verhaltens. Eine solche Evolution wäre zwar unausweichliche Folge der Fortpflanzung, würde aber nur innerhalb eines langen Zeitraums stattfinden. Da die Eigenschaften Vermehrung, Vererbung und Evolution eine zwangsläufige Folge des Lebensmerkmals Fortpflanzung sind, stellt die Menschheit ein Lebewesen im biologischen Sinne dar, wenn der Nachweis ihrer Fortpflanzungsfähigkeit erbracht worden ist. Das wäre der Fall, wenn sich das erste Mal eine eigenständige „Tochtermenschheit“ im Weltall herausgebildet hat. Dann könnte man davon sprechen, daß die in den Taten aus- und weiterfließenden Seelen in der „Elternmenschheit“ und in der „Tochtermenschheit“ jeweils eine Gesamtseele bilden. Diese hätte jeweils die in der „Elternmenschheit“ und die in der „Tochtermenschheit“ lebenden Menschen sowie die dort existierenden, vom Menschen gemachten Dinge zum Körper. Somit würde den Seelen wieder ein Körper zugeordnet, und das ist gleichbedeutend mit der Auferstehung der Toten.

Für alle, die an das Reich Gottes im Weltall glauben, muß das Lebensmerkmal Fortpflanzung für die Menschheit nicht erst nachgewiesen worden sein. Im Glauben beginnt die Auferstehung der Toten schon dort, wo sich Menschen das raumfahrt-christliche Gedankengut zu eigen machen, denn so beginnt für die Glaubenden die Besiedlung des Weltalls. Und diese schließt die Herausbildung von eigenständigen „Tochtermenschheiten“ ein und somit auch die Erfüllung des Kriteriums Fortpflanzung.

 

4. Errettung und Verdammnis

Die Seele eines Menschen, als Ganzes betrachtet, gilt aus raumfahrt-christlicher Sicht als gerettet, wenn der rechte Glauben dieses Menschen gegenüber seinem Unglauben überwogen hat (vgl. Mt 17,20; Mk 9,24) und damit der Nutzen dieses Menschen für die Besiedlung des Weltalls gegenüber dem Schaden überwiegt, den er verursacht hat (vgl. Joh 5,29; Jak 2,24). Die Seele eines Menschen gilt als verdammt, wenn der Unglauben dieses Menschen gegenüber seinem rechten Glauben überwogen hat und damit der Schaden für die Besiedlung des Weltalls, den dieser Mensch verursacht hat, gegenüber seinem Nutzen überwiegt. An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, daß alle konstruktiven Taten direkt oder indirekt der Besiedlung des Weltalls nützen (siehe 3.). Wichtig ist, daß sie bezüglich ihres direkten oder indirekten Nutzens in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, damit sie optimal wirken können. Dementsprechend schaden auch alle destruktiven Taten, ob direkt oder indirekt, der Besiedlung des Weltalls.

Es wurde kritisiert, das Aufwiegen des Glaubens gegen den Unglauben entspräche nicht der biblischen Überlieferung. Jedoch im Neuen Testament ist einerseits die Rede von einer Rechtfertigung durch den Glauben (Röm 3,21-31), aber andererseits von einer Rechtfertigung auch durch Werke (Jak 2,14-26). Diese scheinbar gegensätzlichen Standpunkte lassen sich nur miteinander vereinbaren, wenn man annimmt, daß die guten Werke der Christen (d. h. ihre konstruktiven Taten) durch den Glauben bedingt werden. Da die bösen Werke (d. h. die destruktiven Taten) sicher nicht durch den Glauben bedingt sein können, müssen sie jeweils durch das Fehlen des Glaubens bzw. den Unglauben verursacht worden sein. Weil aber laut der Bibel jeder Mensch, also auch jeder Christ ein Sünder ist (Röm 3,22f; 1 Joh 1,8), muß man davon ausgehen, daß auch Christen böse Werke vollbringen, wenn man annimmt, daß sie nicht nur in Gedanken sündigen; d. h. auch Christen haben Unglauben. Aus diesem Grund muß ich an der These vom Aufwiegen des Glaubens gegen den Unglauben festhalten.

Die konstruktiven und destruktiven Bestandteile der Seele einzeln betrachtet heben sich jedoch nicht gegenseitig auf, sondern existieren auch nach der Auferstehung der Toten weiter – im Weltall sowie auf der Erde zum letztlichen Untergang im Feuer. Sie heben sich jedoch in ihrer Wirkung hinsichtlich der Besiedlung des Weltalls auf, so daß am Ende ein positiver oder negativer Effekt übrig bleibt, und dieser ist entscheidend. Nun könnte man einwenden, daß ein Großteil der konstruktiven Seelenteile trotz des Rettungsauftrages auf der Erde weiterfließen wird, wo sich auch alle destruktiven Seelenteile befinden, und damit der Besiedlung des Weltalls gar nicht zugute käme. Dies ist jedoch ein Trugschluß. Daß ausreichend konstruktive Taten und ihre Ergebnisse den auf der Erde verbleibenden Menschen belassen werden, entspricht zum einen dem Gebot der Nächstenliebe, andererseits aber dient es der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens zwischen den Menschen, die auf der Erde zurückbleiben werden, und jenen, die sie verlassen werden. Wenn nun ein auf der Erde zurückbleibender Mensch eine konstruktive Tat oder ihr Ergebnis nutzt, dient diese in gleichem Maße wie dem sie Nutzenden dem ungestörten Ablauf des Rettungsgeschehens. Da die konstruktive Tat oder ihr Ergebnis dabei nicht geteilt wird, muß man von einer Verdopplung ihrer Wirkung ausgehen. So fließt ein der ursprünglichen konstruktiven Tat gleichwertiger konstruktiver Anteil in die Gesamtseele der Tochtermenschheit ein. Trotz unbestreitbar auf der Erde zurückbleibender konstruktiver Seelenteile verändert sich somit die für ihre Aussender heilsbedeutsame Gewichtung von Nutzen und Schaden für die Weltallbesiedlung, die wiederum auf der Gewichtung von Glauben und Unglauben beruht, keineswegs. Hinzuzufügen wäre, daß die nach der Auferstehung der Toten auf der Erde zurückgebliebene Menschheit nochmals eine (oder mehrere) Tochtermenschheit(en) hervorbringen könnte, wobei die entsprechend ihrer Gewichtung in diese eingehenden Seelen ebenfalls gerettet werden würden.

Raumfahrt-Christen werden mit ihren konstruktiven Taten nicht nur in eigener Sache tätig. Sie tragen auch Verantwortung für die Erlösung der Menschen, die im Laufe der Geschichte daran geglaubt haben, daß sie erlöst worden sind. Sie tragen weiterhin Verantwortung für die zukünftigen Generationen, die eine tragfähige Basis brauchen, auf der sie weiter aufbauen können.

 

5. Über das Jenseits

Die Aussagen der Bibel über das Jenseits

Laut der Bibel kommen die Erlösten oder besser gesagt ihre Seelen (Offb 6,9;20,4) in der Zwischenzeit zwischen Tod und Auferstehung ins Paradies (Lk 23,43). Das Paradies wird im Neuen Testament auch mit den Wendungen „beim Herrn sein“ (2 Kor 5,8) und „bei Christus sein“ (Phil 1,23) umschrieben. Des weiteren sind nach Aussage der Bibel die Seelen (vgl. 1 Sam 28,8.11.13) aller Menschen, denen Christus noch nicht gepredigt wurde, sowohl die der Bösen (Hiob 24,19; Ps 9,18;49,14f) als auch die der Guten (Jes 38,10), sowie die Seelen derjenigen, die Christus nicht angenommen haben, für die Zwischenzeit zwischen Tod und Auferstehung in das Totenreich, die Unterwelt, gelangt bzw. kommen noch dorthin (1 Mo 37,35; 1 Kön 2,6; Hiob 7,9;17,16; Ps 6,6;31,18; Pred 9,10; Hes 32,18; Hos 13,14; Offb 20,13). Nach einer Bibelstelle (Lk 16,23-26) ist die Unterwelt jedoch durch „eine große Kluft“ in einen Bereich für die Seelen der Bösen sowie in einen Bereich für die Seelen der Guten unterteilt, welche letztere verstorben sind, bevor ihnen Christus gepredigt werden konnte. Dieses Totenreich, hebräisch „Scheol“, griechisch „Hades“ genannt, ist oft auch unglücklich mit „Hölle“ übersetzt worden. (Das Alte Testament wurde ursprünglich vor allem in hebräischer, das Neue Testament in griechischer Sprache geschrieben.) In die eigentliche Feuerhölle, griechisch „Geenna“ (Mt 5,22; Mk 9,43.47f), kommen die Verlorenen und Verdammten (Mt 5,22.29f;10,28;23,15-33; Offb 21,8) zur ewigen Strafe (Mt 18,8;25,46) erst nach ihrer Auferstehung von den Toten (Offb 20,5f.12-15). Diese Hölle wird in der Bibel auch wie folgt bezeichnet: „äußere Finsternis“ (Mt 8,12;22,13;25,30), „Feuerofen“ (Mt 13,42.50), „unauslöschliches, ewiges Feuer“ (Mt 3,12;18,8;25,41; Jud 7), „Feuersee“ (Offb 20,14f) und „See, der mit Feuer und Schwefel brennt“ (Offb 21,8). Dagegen wird der Ort, an dem sich die Erlösten nach ihrer Auferstehung aufhalten, in der Bibel einerseits als im Himmel befindlich beschrieben (Mt 5,12; Joh 14,2-4; Phil 3,20; 1 Thess 4,17; 1 Petr 1,4), andererseits werden sie laut der Bibel auf einer neuen Erde wohnen (Jes 65,17; 2 Petr 3,13; Offb 21,1).                                                                                                            
 

Der Ort des Jenseits

Was es mit der neuen Erde im Himmel als Aufenthaltsort der auferstandenen Erlösten auf sich hat, wurde bereits unter 1. beschrieben – dafür kommt nur ein anderer Planet oder eine künstliche Welt im Weltraum in Frage, was aber nicht der Endzustand sein darf, sondern der Beginn für eine weitere Erschließung und Besiedlung des Weltalls werden muß. Die endzeitliche Feuerhölle als Aufenthaltsort der auferstandenen Verdammten wurde unter 1. als Ergebnis der weiteren Entwicklung der Sonne beschrieben, die unabänderlich zum Stadium des Roten Riesen führt. Die Aussage der Bibel von der Strafe des ewigen Feuers ist dabei dahingehend auszulegen, daß das nicht von der Erde Rettbare, in dem die destruktiven Seelenteile weiterleben, durch das Feuer der Sonne für immer und ewig zerstört werden wird.

Nun zum Paradies als Aufenthaltsort für die Seelen der verstorbenen Erlösten vor deren Auferstehung: Das Paradies wird in der Bibel als an verschiedenen Orten gelegen beschrieben. Laut der Schöpfungsgeschichte liegt es am Ausgangsort der noch heute als Euphrat und Tigris bekannten Flüsse (1 Mo 2,10.14). Der Prophet Hesekiel versetzt es auf „Gottes heiligen Berg“ (Hes 28,13f), womit vermutlich ein Berg auf der Sinaihalbinsel gemeint ist. Im Neuen Testament wird das Paradies dagegen als im „dritten Himmel“ befindlich beschrieben (2 Kor 12,2-4). Aber auch dieser Ort ist nach den in der Bibel festgehaltenen Vorstellungen ein innerweltlicher: Die Erde dachte man sich als Scheibe und den Himmel als darüber liegende Kuppel (1 Mo 1,6-10), man verglich ihn auch mit einer aufgespannten Zeltdecke (Ps 104,2; Jes 40,22 u. a.); das Ganze stellte man sich oben und unten von Wasser eingeschlossen vor (1 Mo 1,6f); in dem Wasser über der Kuppel befindet sich nach dieser Anschauung die Wohnung Gottes (Ps 104,3), von welcher man glaubte, daß sie in sieben Himmelsräume unterteilt sei (Rienecker et al. 2004), wovon einer der obengenannte „dritte Himmel“ ist. Heute wissen wir, daß das Paradies als Aufenthaltsort für die Seelen der erlösten Verstorbenen weder an der Ausgangsstelle der beiden erwähnten Flüsse noch auf einem Berg der Sinaihalbinsel oder irgendeinem anderen Berg zu finden ist. Auch das beschriebene biblische Weltbild ist unhaltbar geworden: Die Erde ist annähernd kugelförmig und bewegt sich im freien Raum um die Sonne. Diese durch die Naturwissenschaft belegten Abweichungen vom genauen Wortlaut der Bibel wie auch einige andere im Rahmen der raumfahrt-christlichen Lehre stehen jedoch nicht in grundsätzlichem Widerspruch zur Bibel. So heißt es im ersten Korintherbrief:

„Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; [...] sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht [...]“ (1 Kor 13,8-12)

Die Bibel darf also revidiert werden, wenn es notwendig wird! Manch einer mag bisher die Bibelstelle Offb 22,18f auf die ganze Bibel bezogen haben; das Neue Testament wurde aber erst lange Zeit nach der Niederschrift der Offenbarung durch Johannes verbindlich aus einzelnen Büchern zusammengesetzt, und deshalb kann man die erwähnten Bibelverse nur auf dieses letzte Buch der Bibel beziehen.

Wo befindet sich nun aber das Paradies? Seit dem Zusammenbruch des biblischen Weltbildes haben christliche Theologen bis in die heutige Zeit das Paradies der erlösten Seelen mangels besseren Wissens in eine mysteriöse unsichtbare Parallelwelt verlegt und diese immer noch als Himmel bezeichnet. Wie aber schon beschrieben, ist solch ein außerweltliches Jenseits der Bibel fremd. Die damit im christlichen Glaubensgerüst sich auftuende Lücke kann ich jedoch füllen, indem ich in Übereinstimmung mit der raumfahrt-christlichen Lehre feststelle, daß das jenseitige Paradies überall dort zu finden ist, wo konstruktive Seelenteile aus- und weiterfließen. Diese befinden sich insofern „beim Herrn“ (2 Kor 5,8) bzw. „bei Christus“ (Phil 1,23), als daß die überall auf der Welt weiterfließenden Seelenteile Christi Anteil an der Manifestation der Seele derer gewinnen, die sein Wort und Werk nutzen (siehe 3.).

Mit dem in der Bibel erwähnten Totenreich, in dem sich die Seelen der vor dem gepredigten Christus Verstorbenen sowie die Seelen der nach dem gepredigten Christus Verdammten aufhalten, verhält es sich ähnlich wie mit dem Paradies. In den Aussagen der Bibel wird dieses Totenreich als ein Raum in den Tiefen der Erde dargestellt (Hiob 7,9; Ps 63,10; Jes 14,15; Hes 32,18), es wird also ebenfalls als innerweltlicher Ort betrachtet. Dafür spricht auch der Umstand, daß man glaubte, die Rotte Korach sei lebendigen Leibes in die Unterwelt hinabgefahren (4 Mo 16,30.33). Heutige geologische Modelle lassen jedoch keinen Platz für einen derartigen Hohlraum im Inneren der Erde. In Analogie zum Paradies stelle ich deshalb fest, daß das jenseitige Totenreich, der Hades, sich dort befindet, wo die destruktiven Seelenteile aus- und weiterfließen (siehe 3.).

Ob eine Seele aufgrund der Gewichtung von Glauben und Unglauben in der Gesamtbilanz positiv oder negativ auf die Besiedlung des Weltalls wirkt, ist entscheidend dafür, ob diese Seele dem Paradies oder dem Hades zugerechnet wird. Die konstruktiven und destruktiven Anteile der Seele einzeln betrachtet heben sich jedoch nicht gegenseitig auf, sondern fließen getrennt in Paradies und Hades weiter. Der Bereich des Hades für die Seelen der verstorbenen guten Menschen, denen Christus noch nicht gepredigt wurde, verschmilzt aus raumfahrt-christlicher Sicht mit dem Paradies.                                
 

Die Lehre vom Fegfeuer

Die katholische Kirche lehrt zudem, daß die Seelen der Verstorbenen, die noch einer Läuterung bedürfen, aber nicht verdammt sind, ins Fegfeuer gelangen, ehe sie ins Paradies kommen. Das Fegfeuer wird auch als „Purgatorium“ oder „Reinigungsort“ bezeichnet. Die Lehre vom Fegfeuer ist in der Bibel nicht eindeutig belegt. Trotzdem stützt sich diese katholische Tradition auf drei Bibelstellen (Mt 5,25f;12,32; 1 Kor 3,13-15) und außerdem auf die Gebets- und Bußpraxis in der alten Kirche (2 Makk 12,42-45; Inschriften in den Katakomben). Entsprechend dieser Praxis kann die ganze Gemeinschaft der Heiligen der Seele des oder der Verstorbenen durch Gebet und Opfer zur Seite stehen (Deutsche Bischofskonferenz 1985).

Die von der katholischen Kirche angeführten Sachverhalte lassen sich aus raumfahrt-christlicher Sicht alle auf andere Weise als mit der Existenz des Fegfeuers erklären. Die eine genannte Bibelstelle (Mt 12,32), welche die Möglichkeit der Vergebung in der künftigen Welt andeutet, läßt sich so verstehen, daß ja auch im himmlischen Auferstehungsleib – der Tochtermenschheit – reale Menschen leben, die konstruktive Taten vollbringen und destruktive Taten begehen, was sich auf die weitere Fortpflanzung und Vermehrung des Lebewesens Menschheit auswirkt. Und so werden auch diese Menschen aufgrund der Gewichtung ihres Glaubens und Unglaubens gerettet werden oder verloren gehen. Die zweite Bibelstelle (1 Kor 3,13-15) spricht von der Möglichkeit, „doch so wie durchs Feuer“ gerettet zu werden. Nun, das betrifft wohl die übergroße Mehrheit der Erlösten, denn ihre in destruktiven Taten ausgeflossenen Seelenteile werden nach der raumfahrt-christlichen Lehre unweigerlich im Feuer der aufgeschmolzenen Erdkruste enden, wenn auch der schwerer wiegende Part ihrer konstruktiven Seelenteile gerettet werden wird. In die dritte Bibelstelle, die nach katholischer Tradition auf die Existenz des Fegfeuers hinweisen soll (Mt 5,25f), ist ihr vorgeblicher Inhalt nur hineingedeutet worden; diese braucht nur im wahren und nicht übertragenen Sinn ihrer Worte ausgelegt zu werden, und schon ist sie als Argument hinfällig. Die als eigentliche Grundlage der Lehre vom Fegfeuer betrachtete Gebets- und Bußpraxis der alten Kirche in bezug auf die Verstorbenen steht nicht im Widerspruch zur raumfahrt-christlichen Lehre, womit sie sich als Argument für die Existenz des Purgatoriums erübrigt. Nach dem Tode eines Menschen ist noch offen, wie sein Glauben und Unglauben und damit sein Nutzen und Schaden für die Besiedlung des Weltalls genau gewichtet sind. Es hängt vom Verhalten der Menschen ab, die seine konstruktiven Taten nutzen oder durch seine destruktiven Handlungen beeinträchtigt sind, ob das Zünglein der Waage mehr oder weniger nach der einen Seite oder gar nach der anderen Seite ausschlägt. Deshalb können Christen den Verstorbenen durch Gebet und Opfer zur Seite stehen.

 

6. Literaturverzeichnis

Bücher:

Deutsche Bischofskonferenz, Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Das Glaubensbekenntnis der Kirche, Verlagsgruppe „engagement“, 1985

Elberfelder Bibel, Das Alte Testament, revidierte Fassung, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 2001

Elberfelder Bibel, Das Neue Testament, revidierte Fassung, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 2003

Mackowiak Bernhard, Energie vom Mars? Die wirtschaftliche Nutzung des Sonnensystems, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 1996

Pinna Lorenzo, Fünf Hypothesen zum Untergang der Welt, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1996

Rienecker Fritz, Maier Gerhard u. a., Lexikon zur Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 2004

Schilling Govert, Unser Universum, Vom Urknall in die Unendlichkeit, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2007

Strasburger E. u. a., Lehrbuch der Botanik für Hochschulen, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart-Jena-New York 1991                                                                               
 

Zeitschriften:

Kayser Rainer, Die Sonne dreht auf, Teil 2: Die ultimate Klimakatastrophe, in: www.morgenwelt.de, 1998

Schröder Klaus-Peter, Die Zukunft der Erde, in: Sterne und Weltraum, Juli 2002